Archive for Mai, 2014

80 Jahre Barmer Theologische Erklärung

Vor genau 80 Jahren, vom 29. – 31. Mai 1934, trafen sich in der Gemarker Kirche in Wuppertal 139 Vertreter lutherischer, reformierter und uniter Kirchen, um sich als „Bekennende Kirche“ mit der „Barmer Theologischen Erklärung“ gegen die Vereinnahmung durch das NS-Regime zur Wehr zu setzen.

Die Barmer Theologische Erklärung gilt als zentrales Dokument des Kirchenkampfes in der NS-Zeit und wegweisendes Glaubenszeugnis des 20. Jahrhunderts. Darin grenzten sich evangelische Christen von der Weltanschauung der Nationalsozialisten und den von der NSDAP unterstützten sogenannten Deutschen Christen ab. Das 1934 verabschiedete Dokument hat bis heute nichts von seiner Bedeutung eingebüßt – nicht nur aus evangelischer Perspektive. Die Barmer Theologische Erklärung erteilte dem Allmachtsanspruch der Nationalsozialisten eine deutliche Absage und dokumentiert, dass sich Protagonisten eines wesentlichen Bereiches der Gesellschaft der Vereinnahmung durch das Regime widersetzten. Dies hat Gültigkeit für jede derartige Vereinnahmung durch welche unchristliche Weltanschauung auch immer.

Die versammelten Vertreter der „Bekennenden Kirche“ verfassten sechs Thesen, in denen sie sich gegen eine totalitäre Staatsordnung verwahrten, die in das Innere der Kirche eingreift. Heute gehört der Text zu den wegweisenden Glaubenszeugnissen der Kirche im 20. Jahrhundert. Die Evangelische Kirche hat sich seitdem auf die Barmer Theologische Erklärung verpflichtet.

Hier der Text der Barmer Theologischen Erklärung:

  • Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich (Joh. 14, 6). Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden (Joh 10,1.9). Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.
  • Durch Gott seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung (1. Kor 1,30). Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.
  • Laßt uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist (Eph 4, 15. 16). Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als die Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, daß sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte. Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.
  • Jesus Christus spricht: Ihr wißt, daß die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener (Mt 20, 25.26). Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete Führer geben und geben lassen.
  • Fürchtet Gott, ehrt den König (1. Petr 2,17). Die Schrift sagt uns, daß der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.
  • Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Mt 28,20).
    Gottes Wort ist nicht gebunden.(2. Tim 2,9). Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.

 

 

Mai 29, 2014 at 9:26 pm Hinterlasse einen Kommentar

Pressebericht über die Regionale Allianz-Werkstatt der Evangelischen Allianz Niederrhein-Ruhr-Südems 2014

Christen sollen sich für Zwangsprostituierte einzusetzen. Dazu rief die diesjährige “Allianz-Werkstatt” der Evangelischen Allianz Niederrhein-Ruhr-Südems auf, die am 17. Mai 2014 in Düsseldorf zum Thema „Moderne Sklaverei“ stattfand. In der regionalen Gruppe sind 76 Ortsallianzen zusammengeschlossen. Ihr Vorsitzender, Präses Michael Voss (Wuppertal) sagte, dass Mitarbeiterinnen örtlicher Allianzen den oft verängstigten Frauen in Bonn, Köln, Wuppertal und Oberhausen helfen. In Wuppertal sei es beispielsweise gelungen, eine Frau aus der Zwangsprostitution zu befreien. Sie lebe nun unter einem anderen Namen im Ausland. Er hoffe, dass von dem Tag ein Impuls für weitere Städte ausgehe: „Wir haben als Christen die Verpflichtung, uns neben der Verkündigung auch für Gerechtigkeit einzusetzen.“ Darüber hinaus gebe es die Möglichkeit, Christen bei ihrer Arbeit gegen Sklaverei, Ausbeutung in Menschenhandel zu unterstützen. So habe Peter Heyderhoff (Bonn), der in Indien mit „Ashraya Ministries“ ein Hilfswerk mit Klinik und Kinderheim aufgebaut hat, von einigen Ortsallianzen in Düsseldorf finanzielle Hilfe zugesagt bekommen. Der Vorstandsvorsitzende der Menschenrechtsbewegung „International Justice Mission Deutschland“, Dietmar Roller (Berlin), berichtete, dass rund 30 Millionen Menschen in aller Welt von Sklaverei und Menschenhandel betroffen seien.

Mai 28, 2014 at 9:10 pm Hinterlasse einen Kommentar

Rückblick zum bundesweiten Micha-Vernetzungstreffen 2014 in Wuppertal:

Vom 11. bis 13. April 2014 fand in Wuppertal (in der Lutherkirche Ronsdorf) das diesjährige bundesweite Vernetzungstreffen der Micha-Initiative statt. Das Thema lautete: „In was für einer Welt wollen wir leben?„. Angesichts der Tatsache, dass 2015 vor der Tür steht, ging es um zwei Fragen: Hat die Weltgemeinschaft und haben wir wirklich alles gegeben, um weltweit Armut zu bekämpfen, wie es in den UN-Millenniumszielen versprochen wurde? Zum anderen: Mit welchen Ansätzen und Zielen wollen wir uns nach 2015 gegen Armut und für Gerechtigkeit engagieren?

Das war das Micha-Vernetzungstreffen in Wuppertal

John Wesley Kabango, Pastor der anglikanischen Kirche und Afrika-Referent der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) in Wuppertal, sprach in seinem theologischen Referat „Eine Welt ohne Armut – Gottes Traum, unser Traum?“ über die unterschiedlichen Aspekte von Armut und den damit verbundenen biblischen Auftrag, den Christinnen und Christen haben.

Dr. Nicole Rippin vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) referierte zu den Plänen der Vereinten Nationen, bis 2030 extreme Armut komplett zu beseitigen und weitere Nachhaltigkeits- und Entwicklungsziele aufzustellen. Dabei ermutigte sie die Teilnehmenden des Vernetzungstreffens, gemeinsam zu überlegen, welchen Beitrag zivilgesellschaftliche Gruppen – und insbesondere Gemeinden – bei der Ausarbeitung und Umsetzung der neuen Entwicklungsagenda leisten können.

Darüber hinaus gab es Workshops und Seminare zu verschiedenen Themen (von Nachhaltigkeit über Kinderarbeit bis hin zu Evangelisation und Engagement) sowie viel Zeit, sich zu vernetzen und auszutauschen und auch gemeinsam vor Gott zu kommen.
Hier kann man in die Sessions hineinhören und -lesen: http://www.micha-initiative.de/mitmachen/abgeschlossene-aktionen/vernetzungstreffen-2014

  • Freitag Abend | Podiumsdiskussion (Moderation: Lydia Schubert): „Eine Welt ohne Armut: Wo stehen wir?
  • Samstag Vormittag | Referat (John Wesley Kabango): „Eine Welt ohne Armut: Gottes Traum, unser Traum?
  • Samstag Vormittag | Workshop (Dorothea Kohlmeier): „Eine Welt der Nachhaltigkeit: Hoffnung für den gesamten Planeten
  • Samstag Vormittag | Workshop (Antje Weber): „Eine Welt ohne Kinderarbeit: Chancen und Herausforderungen
  • Samstag Vormittag | Workshop (Petra Bald & Vicky Pauschert): „Eine Welt mit fairen Handelsbedingungen: Wie sich Christen dafür engagieren
  • Samstag Vormittag | Workshop (Andreas Schuß): „Eine Welt ohne Armut: Wie uns Jesaja 58 herausfordert
  • Samstag Nachmittag | Referat (Dr. Nicole Rippin): „Eine Welt ohne Armut: Die Pläne der Vereinten Nationen bis 2030
  • Samstag Nachmittag | Kampagnenvorstellung (Alexander Gentsch & Michael Voss): „Eine Welt mit fairen Arbeitsbedingungen: Die Kampagne 2014

Mai 28, 2014 at 8:54 pm Hinterlasse einen Kommentar


Evangelische Allianz Wuppertal

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