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„Micha“-Woche 2014

Auch 2014 hat es wieder eine „Micha“-Woche der „Micha-Initiative“ geben – vom 13. bis 19. Oktober.
Thema war: „gut zu (er)tragen)“ – Einsatz für faire Bedingungen in Textil/Kleidungsproduktion,  und Bewusstseinsschaffung für diese Problematik auch beim Kleidungskauf.
Auf der Homepage der „Micha-Initiative“ gibt es hierzu nähere Informationen.
http://www.micha-initiative.de/mitmachen/gutzutragen
http://www.micha-initiative.de/live/sites/default/themes/micha/images/gutzutragen2014_Materialheft.pdf
 Der „Micha-Sonntag“ (19. Oktober) wurde in verschiedenen Wuppertaler Gemeinden in den dortigen Gottesdiensten gefeiert.
Ein „Micha“-Gebetsabend fand am Mittwoch, 15. Oktober, 19.00 Uhr, in Köbners Kirche, Wartburgstrasse 44, statt.
Schliesslich gab es am Samstag, 18. Oktober, vor den „City.Arkaden“, Alte Freiheit 16, eine Öffentlichkeitsaktion geben. Dabei gelang es, interaktiv mit PassantInnen ins Gespräch über das Thema kommen.
 

September 19, 2014 at 6:22 pm Hinterlasse einen Kommentar

Bericht von der „Micha-Woche“ in Wuppertal vom 10. bis 17. Oktober 2010

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Die Micha-Initiative setzt sich im Rahmen der Weltweiten Evangelischen Allianz aus christlicher Verantwortung für eine bessere, gerechtere Welt ein. Sie will Christinnen und Christen zum Engagement gegen globale Armut und für weltweite Gerechtigkeit begeistern. Sie fordert und unterstützt, dass die Millenniumsziele der UNO erreicht werden, und damit vor allem, dass extreme Armut bis zum Jahr 2015 halbiert wird.

Bei den Milleniumszielen handelt es sich um: Bekämpfung von extremer Armut und Hunger; Primarschulbildung für alle Kinder weltweit; Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen; Reduzierung der Kindersterblichkeit; Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern; Bekämpfung von Aids, Malaria und anderen schweren Krankheiten; Ökologische Nachhaltigkeit; Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft.

Das Jahr 2010 war ein besonderes Jahr: 2/3 der Laufzeit der Millenniumziele sind um – Zeit zur Bilanz und zu einem stärkeren Signal an die Öffentlichkeit und die Politik. Die Micha-Initiative will, dass alles dafür getan wird, um diese Ziele zu verwirklichen und weltweit Entwicklung voranzubringen. Christinnen und Christen sollen sich ihrer globalen Verantwortung stärker bewusst zu werden und Gottes Herz für die Armen und Entrechteten dieser Welt zu entdecken. Denn Gott will, wie Jesus Christus uns vorgelebt hat, Beides: Das ewige Heil der Menschen durch eine lebendige Gottesbeziehung, und ein so menschen-würdiges Leben wie möglich hier auf dieser Erde. Oder, wie Martin Luther es formuliert hat: „Wie sollen die Menschen glauben, wenn sie nichts zu fressen haben?“

Vom 10.- 17. Oktober 2010 hat es daher in Wuppertal eine „Micha“-Woche gegeben. Hier ein Bericht:

Mit einem Gottesdienst in der Freien evangelischen Gemeinde Barmen wurde am Sonntag, 10. Oktober 2010 (10/10/10) die Wuppertaler Micha-Woche eröffnet.
Michael Voss vom Arbeitskreis „Micha“ der Deutschen Evangelischen Allianz führte in seiner Predigt aus, daß die drei häufigsten Wörter in der deutschen Sprache – „der“, „die“, „und“ – das umschreiben, worum es bei der „Micha“-Arbeit, aber auch generell im christlichen Glauben geht. Gott liebt jeden Menschen, jeden „der“ und jede „die“. Diese Liebe Gottes will, daß Menschen das ewige Heil durch Jesu Tod und Auferstehung finden „und“ daß Menschen hier auf dieser Erde unter lebenswürdigen Umständen leben. Eines geht nicht ohne das andere, wie es Jesus selbst gezeigt hat, etwa als er 5000 Menschen, die seinen Worten gelauscht hatten und nun hungrig waren, mit Nahrung versorgt hat. Auch die Urgemeinde erkannte die Aufgabe des „Dienstes des Wortes“ und des „Dienstes an den Tischen“. Martin Luther hat zutreffend gesagt: „Wie sollen die Menschen glauben können, wenn sie nichts zu essen haben“. Allerdings gilt auch: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und Schaden an seiner Seele nimmt“. Entscheidend sei, Verkündigung und diakonisches Handeln nicht gegeneinander auszuspielen, sondern um Gottes und der Menschen willen miteinander zu verknüpfen.
Zum Thema passende Lieder, eine Gebetsgemeinschaft für die Ziele der Micha-Initiative, die mit dem weltweiten Micha-Gebet endete, und das Sammeln von Daumenabdrücken rundeten den Gottesdienst ab.

„Wer schweigt, fördert, was im Gange ist“- mit diesem Zitat von Gustav Heinemann erläuterte Thomas Corzilius (Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Unterbarmen) in seiner Andacht am Montag, 11. Oktober beim Micha-Abend in Köbners Kirche, dass es kein unpolitisches Handeln gibt. Das Reich Gottes ist das Kernstück des christlichen Glaubens, und Christinnen und Christen sind aufgerufen, die Welt nicht sich selbst zu überlassen, sondern den Glauben zu leben und sich für Gerechtigkeit, Erhalt der Umwelt und andere Ziele einzusetzen.
In zwei Videos wurde beispielhaft gezeigt, wie an der Elfenbeinküste Kakao angebaut wird und wie in Brasilien Orangen geerntet und zu Saft verarbeitet werden. Die gepa war die erste Organisation, die sich dafür einsetzte, dass diese harte Arbeit angemessen entlohnt wird. Mit dem Kauf von gepa- oder anderen fair gehandelten Produkten wird unterstützt, dass Menschen in den Herkunftsländern der Waren sozial abgesichert werden und die Kinder eine Schulbildung erhalten, die ihnen einen Weg in die Zukunft eröffnet.
Diese Zusammenhänge wurden deutlich bei den Ausführungen von Michael Voss (AK Micha der Deutschen Evangelischen Allianz) zur Micha-Initiative und Ulrich Jöster zur gepa. Wie Manfred Braunschweig in seiner Moderation unmissverständlich zum Ausdruck brachte, kann niemand nach der Veranstaltung nach Hause gegangen sein mit dem Eindruck, selbst doch nichts tun zu können. Das eigene Kaufverhalten kritisch zu hinterfragen und sich damit für angemessene Entlohnung einzusetzen ist nur eine von vielen Möglichkeiten.
Mit 100 Millionen Christinnen und Christen in der ganzen Welt wurde an diesem Abend und im Gottesdienst am Vortag auch das Micha-Gebet gesprochen.

Beim Micha-Abend in der Alten Wupperfelder Kirche am Dienstag, 12. Oktober war Gisela Bhatti von Oikocredit zu Gast. Sie berichtete von der Arbeit der Organisation vor Allem in Bangladesh und schilderte in sehr lebendiger Form, wie hierdurch Menschen eine Perspektive zu selbstverantwortetem Leben geboten wird. In dem Wort „Credit“ steckt „credo“, also „ich glaube“, was sowohl die christliche Grundlage der 1975 gegründeten Initiative als auch das Vertrauen in die Fähigkeit der Menschen, ihre gottgegebenen Gaben zu nutzen, ausdrückt.
Oikocredit gibt Menschen, die Möglichkeit, ihre Rücklagen sozial verantwortlich anzulegen und damit einen Gottes Liebe entsprechenden Umgang mit Geld zu pflegen. Das angelegte Geld, das mit zur Zeit 2% verzinst wird, wird eingesetzt, um Menschen in Armutssituationen einen Mini-Kredit zugeben, mit dem sie etwa Saatgut, Nutztiere oder Werkzeug kaufen und so eine eigenständige wirtschaftliche Existenz gründen können. So kann Armut überwunden und gleichzeitig vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Wertigkeit aufgebaut werden. Nur 10% der Personen, denen einen Mini-Kredit gewährt wird, scheitern, 80% verbessern ihre Situation, 10% entwickeln sich sogar zu „Überfliegern“, wie eine Frau, die aus einer Außenseitersituation in ihrem Wohnort bis zur Bürgermeisterin aufstieg.
Die Mini-Kredite werden in lokaler Währung gewährt, um unabhängiger von Schwankungen am Finanzmarkt zu sein. Sie sind nicht zinslos – der Gedanke an Almosen soll bewusst vermieden werden, 99,9 % der Kreditnehmer zahlen die fälligen Summen zurück. Damit ist Geld bei Oikocredit auch für Anleger sicher, verfügbar und mit „ethischem Ertrag“ angelegt. Für 20 € jährlich kann man Mitglied bei Oikocredit werden und dann Anlagen tätigen. Etliche Teilnehmer des Abends, der mit dem Micha-Gebet und dem Sammeln von Daumenabdrücken endete, zeigten sich interessiert und nahmen Aufnahmeanträge mit.

Dr. Karl Pfahler berichtete beim Micha-Abend am Mittwoch, 13. Oktober, in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde Barmen aus der Arbeit der Kindernothilfe. Dabei stellte er den Selbsthilfegruppen-Ansatz vor, der Anfang dieses Jahrzehnts entwickelt wurde.
Der Selbsthilfegruppen-Ansatz hat sich als erfolgreiches Instrument der Armutsbekämpfung erwiesen und stärkt in grosser Armut (und damit oft auch in sozialer Ausgrenzung) lebende Menschen sozial, wirtschaftlich und politisch und gibt ihnen Würde.
Es werden arme Menschen eines Dorfes oder eines Stadtteils angesprochen und eingeladen, Mitglied einer Selbsthilfegruppe zu werden, wo sie oft erstmalig Gemeinschaft und Solidarität statt Ausgrenzung erleben. Sie erfahren gegenseitige Unterstützung und die Tatsache, daß sie als Gruppe mehr erreichen können als alleine. In den Gruppen werden Aufgaben wie Kinderbetreuung gemeinsam angegangen, verschiedene Stärken und Fähigkeiten dienen zum Nutzen Aller. Die Gruppen erfahren Beratung und Unterstützung durch fachlich qualifizierte Mitarbeitende der Kindernothilfe.
Eine Stärke des Selbsthilfegruppen-Ansatzes liegt in der Zahl der Mitglieder der Gruppen und der Zahl der Gruppen selbst. Hierdurch lassen sich auch politisch-gesellschaftliche Änderungen anstoßen, die strukturelle Ursachen von Armut bekämpfen und langfristige Entwicklungen möglich machen.
Im Gegensatz zu früheren Ansätzen wird hier nicht Einzelpersonen eine materielle Unterstützung gewährt (was nur bestimmte Menschen erreicht und gesellschaftliche Grundprobleme nicht löst). Statt dessen werden Mitglieder einer Gruppe durch Schulungen und gegenseitige (Unter)stützung befähigt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Auch die Kinder profitieren, indem sie zur Schule gehen und besser ernährt sind.
Mehrere Selbsthilfegruppen bilden übergeordnete Strukturen, so genannte Cluster, mehrere Cluster wiederum bilden eine „Föderation“. Diese vertritt dann so viele Mitglieder, daß sie politisch-gesellschaftlichen Einfluss ausüben kann.
Den Erläuterungen Dr. Pfahlers schloss sich eine Gesprächrunde mit den Besuchern des Micha-Abends an, zum Abschluss wurde das Micha-Gebet gesprochen und Daumenabdrücke gesammelt.

„Sisters in Law“ heißt der Film, der beim Micha-Abend am Donnerstag, 14. Oktober 2010, in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Else-Lasker-Schüler-Strasse gezeigt wurde und den Focus auf einen besonderen Aspekt der Micha-Ziele legt, nämlich die Gleichstellung und Stärkung der Rolle der Frauen (3. Milleniumsziel).
Eine Richterin und eine Staatsanwältin arbeiten in einem kleinen Ort in Kamerun und begreifen sich als Anwältinnen von Frauen, die Opfer von Gewalttaten wurden. Der Film verfolgt die Verhandlung dreier Delikte aus dem Dorf: Ein kleines Mädchen wurde von ihrer Tante brutal mißhandelt; ein anderes Mädchen beschuldigt ihren Nachbarn, sie vergewaltigt zu haben; und eine Ehefrau will sich nach Jahren der Qual von ihrem jähzornigen und machohaften Mann scheiden lassen.
Die beiden Rechtshüterinnen unterstützen und ermutigen Frauen dabei, ihre Rechte durchzusetzen und den Mut zu haben, sich gegen unterdrückende Traditionen zu wehren. Diese können dann wiederum selbst dazu beitragen, ihre Gesellschaft jedenfalls in Ansätzen menschlicher zu gestalten.
In einem von Frank Neuenhausen verlesenen Brief von Missionaren der Gemeine, die in Tansania arbeiten, wurde ebenfalls von Frauen und vor Allem auch Kinder unterdrückenden Strukturen berichtet, die für Christen – neben der Verkündigung der Frohen Botschaft – eine Herausforderung im Einsatz für von Gott gewünschte Gerechtigkeit auf dieser Erde darstellen.
Der Abend endete mit einer Gebetsgemeinschaft, dem Micha-Gebet und dem Sammeln von Daumenabdrücken.

Beim Micha-Abend am Freitag, 15. Oktober, in der multikulturellen Gemeinde Church of Peace beschreib Pastor Olivier Tra-Bi aus Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) die Situation in seinem Land, das einmal für afrikanische Verhältnisse als reich und prosperierend galt, aber durch Spannungen zwischen Parteien und Ethnien in eine Krise und schließlich in einen Bürgerkrieg gestürzt wurde. So leben heute zahlreiche Ivorer unterhalb der Armutsgrenze (1,25 $, die am Tag zur Verfügung stehen), die Kindersterblichkeit ist hoch, und trotz Schulpflicht gehen viele Kinder nicht zur Schule.
Tra-Bi betonte die Bedeutung der Arbeit der in der Evangelischen Allianz zusammenarbeitenden Kirchen für die Versöhnung im Land nach dem Bürgerkrieg. Die Ziele dieser Arbeit sind Frieden, Gerechtigkeit und Einheit. Gemeinden geben hier ein Beispiel, indem Menschen aus verschiedenen Ethnien und politischen Lagern dort unter dem Wort Gottes und dem Glauben an Jesus Christus als Retter und Heiland eins sind. Durch Kontakte zu und Gespräche mit Politikern und Wirtschaftsführern konnte diese Haltung in die Gesellschaft hineingetragen werden und positive Veränderungen auslösen.
Die Kirche Tra-Bis, L’Église Évangélique de Réveil, hat eine Tätigkeit begonnen, die die Felder Soziales, Gesundheit, berufliche Bildung und Arbeitsbeschaffung beinhaltet. So gibt es eine Bank für Arme oder die Ausgabe an Saatreis, die Menschen ermöglicht, durch den Anbau des Reis sich selbst mit Nahrung zu versorgen und mit der Mehrernte handeln zu können.
Auch dieser Micha-Abend endete mit dem Micha-Gebet und dem Sammeln von Daumenabdrücken.

Ein Wermutstropfen – oder besser gesagt, viele Regentropfen sorgten dafür, daß die Öffentlichkeitsaktion der Evangelischen Allianz zur Micha-Woche am Samstag, 16. Oktober, in der Elberfelder City nicht die erhoffte Resonanz hatte. Auf Grund der Witterung ließen sich nicht sehr viele Passanten ansprechen, dennoch wurden Info-Flyer über die Micha-Initiative verteilt, kam es zu einigen Gesprächen und wurden auch hier Daumenabdrücke gesammelt.

Am Sonntag, dem 17. Oktober, wurde der diesjährige Micha-Sonntag begangen. In der Elberfelder Christuskirche fand der offizielle Abschlussgottesdienst der Wuppertaler Micha-Woche statt, aber auch zahlreiche andere Wuppertaler Gemeinden feierten Micha-Gottesdienste  oder ließen die Themen der Micha-Initiative vorkommen bzw. sprachen das Micha-Gebet.
Im Abendmahls-Gottesdienst in der Christuskirche wies der Präses der Evangelischen Allianz Niederrhein-Ruhr-Südems, Michael Voss, darauf hin, daß schon immer in der Geschichte des christlichen Glauben besonderer Segen zu erleben war, wenn Verkündigung und Mission mit der Hinwendung zu den menschlichen Nöten der Menschen verbunden waren. Vom Stadtpatron Wuppertals, Laurentius, über Personen wie August Hermann Franke, Johann Hinrich Wichern oder Friedrich Bodelschwingh bis zu Mutter Theresa haben unzählige Gläubige die Notwendigkeit der gesamtheitlichen Mission, des „und“ von Wort und Tat, erkannt. Sie können heutigen Christen hierin Vorbild sein.
Bei der Einleitung des Abendmahls betonte Voss, daß hierbei die Gläubigen sozusagen mit an dem Tisch sitzen, an dem Jesus vor seinem Tod das letzte Mahl mit seinen Jüngern eingenommen hat. Durch Jesu Sterben und Auferstehung ist das Abendmahl Einladung Gottes an alle Menschen, sich hier einzugliedern und so Heil der Versöhnung mit Gott zu erfahren, und es ist die Ermahnung des Herrn, auch die materiellen Güter dieser Welt zu teilen.

 

Oktober 18, 2010 at 11:55 pm Hinterlasse einen Kommentar


Evangelische Allianz Wuppertal

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