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Stellungnahme zu geplantem Moscheebau an der Gathe

In den vergangenen Tagen wurde in den Wuppertaler Medien mehrfach über den geplanten Bau (eigentlich Erweiterungsbau) einer Moschee an der Gathe berichtet.

Dies hat bei evangelischen Christinnen und Christen zu Diskussionen geführt; und auch zu Anfragen, ob die Evangelische Allianz hierzu eine Stellungnahme verfassen werde.

Auf Grund dieser Anfragen gebe ich folgende Erklärung ab:

Wir leben in Deutschland, wie in so gut wie allen anderen europäischen Ländern, in einer multikulturellen Gesellschaft. Auch in Wuppertal leben Menschen aus 151 Nationalitäten, die gut 14% der Bevölkerung ausmachen. Diese Menschen bereichern Wuppertal in vielfältiger Weise.

Etwa 8% der Wuppertaler Einwohner sind Muslime. Sie bilden eine Bevölkerungsgruppe, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen, die aber in allen Bevölkerungsgruppen zu finden sind – in unsere Stadt integriert ist. Und dies nicht nur durch Gyros-Gaststätten, deren Speisen die meisten Menschen gerne essen (ebenso wie (italienische) Pizza, (südosteuropäische) Cevapcici oder chinesische Gerichte).

Für uns als Christinnen und Christen stellt sich nun die Frage, wie wir uns gegenüber unseren muslimischen Mitbürgern verhalten.

Ich denke, neben der für Christusgläubige im eigentlichstem Sinn ‚gebotenen‘ Nächstenliebe und Gastfreundschaft muss auch dazu gehören, Muslimen die Ausübung ihrer Religion zu gestatten (wozu dann auch die Errichtung von Moscheen gehört).

Denn:

1. Zu Recht, und sicherlich sogar viel zu wenig, beklagen wir, dass in vielen islamischen Staaten Christen nicht gestattet ist, ihren Glauben frei auszuüben und Kirchen der Gemeindehäuser zu bauen. Mehr noch, in nicht wenigen muslimischen Staaten werden Christinnen und Christen massiv verfolgt, bis hin zu Gefährdung für Freiheit und gar Leben. Hier sind wir verpflichtet, und dies mehr als bisher (!), unsere Stimme für die bedrängten Geschwister zu erheben – so wie es etwa „Open Doors“ konsequent tut und beim „Gebetstag für die verfolgten Christen“ und beim „Gedenktag für verfolgte Christen“ geschieht.
Aber: Wie sollen wir uns glaubwürdig für das Recht von Christinnen und Christen einsetzen, ihren Glauben in islamischen Staaten auszuüben und Kirchen zu bauen, wenn wir hier Muslimen nicht das gleiche zugestehen?

2. Noch wichtiger aber ist: Wir Christinnen und Christen brauchen nicht für Gott zu ‚kämpfen‘, als sei unser Glaube eine Ideologie, die nur durch menschliches Handeln bestehen kann. Wenn wir glauben, und in diesem Glauben wissen, dass Gott sich in Jesus Christus offenbart hat, dass Gott in Jesus Christus das Heil in die Welt gebracht hat (für alle Menschen!), dass Jesus Christus der Sieger ist über alles Widergöttliche – wovor brauchen wir uns dann fürchten?
Jedenfalls nicht vor einer „Islamisierung Deutschlands“! Denn, wie gesagt, Jesus Christus ist Sieger. Dies ist in dieser Welt nicht immer sichtbar, ist es seit Jesu Auferstehung nie gewesen und wird es bis zu Jesu Wiederkunft auch nie sein. Jedenfalls nicht ‚auf den ersten Blick‘; allerdings sehr wohl mit dem Blick des Glaubens. Aber wir wissen im Glauben: Es ist so!
Mitunter habe ich den Eindruck, dass es Manchen, die für den christlichen Glauben ‚kämpfen‘ wollen, und/oder die Angst vor einer „Islamisierung“ haben, garnicht so sehr um den Glauben geht, sondern um Kultur. Um die „Kultur des christlichen Abendlands“ (die ich keinesfalls klein- oder schlechtreden will – aus dem christlichen Glauben sind grossartige kulturelle Werke entstanden, in Europa und anderswo. Aber diese sind bei aller Grossartigkeit eben allenfalls Auswirkungen des Eigentlichen, also des Glaubens als personenhafter Gottesbeziehung). Und Manchen geht es bei ihrer Furcht vor dem Islam gar um das Bewahren oder Erschaffen einer so genannten „deutschen Leitkultur“, was immer das nun auch sein soll.
Aber darum kann (und darf) es nicht gehen! Nicht um Kultur und schon garnicht um Deutschelndes. Es geht um Jesus Christus, den Sieger!

3. Und das bedeutet dann eben: Christinnen und Christen brauchen keine Angst zu haben, auch nicht vor anderen Religionen oder Kulturen. Weil Jesus Christus auch für die Menschen dieser Religionen und Kulturen gestorben und auferstanden und Sieger ist! Ganz im Gegenteil, wir dürfen Gott danken für jeden Menschen, der aus anderen Ländern, aus anderen Religionen und anderen Kulturen nach Deutschland kommt. Denn so haben wir eine einzigartige Möglichkeit, mit diesen Menschen in Kontakt zu treten. Und ins Gespräch zu kommen auch über unseren Glauben, den wir als Christinnen und Christen haben. Dies ganz klar auch im missionarischem Sinn! Wobei „missionarisch“ immer im Sinne Sören Kierkegaards verstanden werden soll: „Aufmerksam machen auf den christlichen Glauben.“. Mehr können wir allemal nicht – allerdings auch nicht weniger!
Es ist ein Geschenk Gottes, dass wir Menschen aus so vielen Ländern und Kulturen in unserer Stadt haben. Das macht Wuppertal reicher. Aber ganz besonders unter missionarischem Aspekt können wir für dieses Geschenk Gottes dankbar sein, uns Menschen aus anderen Kulturen und mit anderer Religion sozusagen ‚vor unsere Haustür‘ zu stellen. Wir können, und sollen, sie – mit Respekt und auf Augenhöhe – auf das aufmerksam machen, was wir erleben durften und dürfen: dass Jesus Christus der Heiland aller Welt und aller Menschen ist!

In etlichen derartigen Kontakten habe ich deutliche Offenheit bei Muslimen erlebt, und es haben sich auch in Wuppertal schon (dann ehemalige) Muslime taufen lassen.

Darum lassen Sie uns die geplante Moschee an der Gathe nicht als Bedrohung für unseren christlichen Glauben sehen, sondern als Auftrag Gottes, eben diesen Glauben in Nächstenliebe und klarem Bekenntnis zu Jesus zu bekennen und weiterzugeben!

Michael Voss
Vorsitzender Evangelische Allianz Wuppertal

Juni 14, 2012 at 8:29 pm Hinterlasse einen Kommentar


Evangelische Allianz Wuppertal

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